Warum ich mit Streuobstwiesen und Schafen wieder landwirtschaftlich arbeite

Unsere Familie lebt seit 22 Jahren am Rand eines Odenwälder Dorfes. Der Ort ist umgeben von prägenden Streuobstwiesen, Feldern und Wald. Unser gemütliches Holzhaus bauten wir selbst mit fachkundigen Freunden. Der Rasen verwandelte sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu Gemüseanbauflächen. Ich habe mir einmal überlegt, wie dieses Lebenskonzept zustande kommt und bin auf drei Quellen gestoßen. 

Schöpfen aus den eigenen Quellen

Meine Eltern, Großeltern und Schweigereltern waren leidenschaftliche Bauern ……und ich kehre nach 40 Jahren Abstand wieder zu meinen Wurzeln zurück. Dabei erlebe ich tiefe Freude.

Die zweite Quelle stammt aus dem ehren- und hauptamtlichen Engagement in der Ev. Jugendarbeit. Daraus begleitet mich die Aufforderung „diese Erde zu bebauen und zu bewahren“ und sei es auf drei Streuobstwiesen, zwei Gärten und einem Acker.

Die dritte Quelle liegt in meinem Beratungsalltag zum ethisch-ökologisch-sozialen Umgang mit Geld. In diesen häufig abstrakten Zusammenhängen suche ich immer wieder den Bezug  zur realen Welt. In unserer kleinen Garten- und Landwirtschaft liegen etliche Brücken zu einem menschenfreundlichen und umweltverträglichen Existieren. 

Erntefreuden teilen

Folgendes Beispiel mag dies anschaulich machen: Im Herbst 2016 brachen die Äste der Apfelbäume ab, weil sie die Last der vielen Äpfel nicht tragen konnten. Wir hatten eine reiche Ernte, die nur mit Freunden und afghanischen Flüchtlingen zu bewältigen war. Über 50 Zentner brachten wir in die Kelterei und füllten gleich den Großteil ab, um die Ernte teilen zu können. 

Für einen Zentner naturbelassener Äpfel von Hochstämmen zahlte uns  die Kelterei 5,50 € und wir bezahlten im Gegenzug für keltern und abfüllen in fünf Liter Bags 4,50 € pro Bag. Rein wirtschaftlich betrachtet macht das keinen Sinn, wird Jeder sagen, der Kopfrechnen kann. Es macht dennoch sehr viel Sinn, dieses Geschenk der Natur zu bergen und zu schätzen, diese Ernte zu teilen, den Apfelsaft oder Apfelwein zu genießen und zu verstehen, dass solche reine Bioqualität in keinem Geschäft zu kaufen ist.

Das Geschenk der Natur

Im Herbst 2017 erinnerten wir uns an das Geschenk des Vorjahres , da es keine Äpfel zum Ernten gab, denn der Frost hatte im Frühjahr die Blüten erfroren. Darum schätzen wir die Saftreste aus dem Vorjahr um so mehr.

In einer Welt, in der alles machbar und planbar erscheint, ist es gut solche Realerfahrungen zu machen. Weil das Leben und Wirtschaften keine Geradlinigkeit kennt und mit seinen Brüchen und Wendungen eine Vielfalt an Entwicklungen nach sich zieht, die es zu nutzen gilt. 

Alles was dem natürlichen Wachstum dient

Die genannten Streuobstwiesen lassen sich wunderbar kombinieren mit Schafen, die genährt werden vom Gras und Heu, das unter den Bäumen gedeiht und als Winterfutter eingelagert wird. Die Schafe düngen die Wiese, was dem natürlichen Wachstum dient und viel Arbeit erspart. Dieses erleben funktionierender Kreisläufe gibt Anstoß und Anregung dies auf die Beratung zu nachhaltigem Wirtschaften zu übertragen und nach passenden Lösungen zu suchen. Diese Erleben „erdet“, im wahrsten Sinn des Wortes. 

 

Neben den (fast) alljährlichen Ernteerträgen mit Äpfeln, Birnen, Kirschen und Pflaumen ist das Tätig sein draußen für mich und uns eine Wohltat für Körper, Geist und Seele und gewinnt darum einen Wert, der zwar wieder nicht messbar, aber dafür um so spürbarer ist.