Wie soll ich bei meinem Einkommen noch was für die Altersvorsorge beiseite legen?

Im Herbst kamen zwei Erzieherinnen und eine Krankenschwester zu mir in die Beratung. Alle drei waren in einer vergleichbaren Situation. Sie waren zuhause ausgezogen und hatten sich eine Wohnung in der Stadt in der Nähe ihrer Arbeitsstelle gemietet. Sie freuten sich über die neue Freiheit und die Annehmlichkeiten der Stadt. Sie engagierten sich in ihrem Beruf und hatten allerlei Ideen für die Feierabende.

Durch unterschiedliche Anregungen und Empfehlungen wandten sie sich an mich, um sich nachhaltig zu Vermögensaufbau und Versorgung im Alter beraten zu lassen. Alle drei hatten konkrete Vorstellungen zu ihren Plänen  und Zukunftsvorhaben von denen sie teils mit glänzenden Augen erzählten. Die Begeisterung kam ins Stocken als wir über die frei verfügbaren monatlichen Geldbeträge sprachen. Mittels grober Haushaltsrechnung blieb am Monatsende kaum etwas übrig, was sich die euphorischen Berufseinsteigerinnen eingestanden. 

Durch die Potentialbrille betrachtet

So startete ich die drei individuellen Beratungen mit vorgelagerten Themen und Erfordernissen. Wir sprachen über den Latte Macchiato Faktor mit seinen monatlichen Auswirkungen und einer fiktiven Hochrechnung über 10 Jahre, um das kleine alltägliche Potenzial in seiner größeren Dimension anschaulich zu machen. Statt Latte Macchiato lassen sich auch andere „Konsumer“ einsetzen, die durch kurzfristigen, alltäglichen Verzicht langfristig Träume wahr werden lassen. 

Nach meiner Erfahrung liegen weit größere Einsparpotentiale darin, mit anderen die Wohnung, das Auto und sonstige werthaltige Faktoren zu teilen, also gemeinsam zu nutzen, um die individuellen Freiräume spürbar zu vergrößern. Es lohnt sich hier viel Kreativität zu investieren. Denn dadurch wird die persönliche Basis geschaffen, das beschriebene Ziel tatsächlich zu erreichen. 

Die Kraft der persönlichen Pläne

In unseren Gesprächen zeigte sich sehr schnell die Bedeutung und Intensität der persönlichen Pläne und Zielvorstellungen, ob sie die Kraft haben, solches Einsparpotential zu nutzen und durchzuhalten. Natürlich hat eine Traumreise oder die eigene Selbstständigkeit eine wesentlich größere Anziehungskraft  als die schwer vorstellbare Versorgung die Alter, die erst in vier Jahrzenten relevant ist. 

Aus meiner Beraterperspektive ist für diese Lebensphase wesentlich, das vorhandene verfügbare Geld sowohl für kurz- als auch für langfristige Lebensziele einzusetzen, weil eben Beides bedeutsam ist. Der Unterschied in der Denkweise wird darin deutlich, wenn die heutigen Entscheidungen mit einer 20 Jahres-Perspektive betrachtet werden.  Dies wurde für mich am Beispiel vieler junger Familien in England deutlich, die Ihr Kind gleich nach der Geburt auf einer der Hochschulen in Cambridge oder Oxford anmelden, was prägend ist für alles weitere Handeln. 

Weitsichtige Menschen handeln anders

Ich ermutige meine Mandanten zu einer parallelen Langfristbetrachtung! Dann werden die Zins- und Zinseszins Effekte für eine angemessene Versorgung im Alter in völlig neuem Licht gesehen. Denn hierbei können Förderungen und Steuererleichterungen das eigens eingesetzte Kapital noch wesentlich steigern. Dadurch wird dieses Langzeit-Investment erheblich leichter für den eigenen Geldbeutel. 

Ich freue mich, wenn es bei den Mandantinnen die Bereitschaft gibt, die eigene Praxis anders zu denken, sie durch eine andere Brille zu betrachten! Denn an diesem Beispiel wird deutlich, dass geeignete Maßnahmen zur eigenen Zielerreichung sehr gut möglich sind, wenn es die Offenheit gibt, solche Lösungen zu finden und gemeinsam zu entwickeln.