Den Reichtum sehen ... und annehmen

Es ist ein Segen in diesem Jahr, die Bäume brechen fast zusammen unter der Last ihrer Früchte. Wir aßen und ernteten überreichlich Süß- und Sauerkirschen, genießen gerade Mirabellen und Zwetschgen und freuen uns angesichts der Fülle an Äpfeln und Birnen. 

Neben Hitzesommer, Getreideeinbußen und Klima-Diskussion wollen wir bewußt den Focus auf diesem geschenkten Ernte-Reichtum halten. Denn was beobachten wir hier auf dem Land: Das Obst verdorrt vielfach auf den Bäumen oder verfault am Boden. Im letzten Jahr gab es ein großes Wehklagen angesichts der leeren Bäume und Sträucher. In diesem Jahr steht ein unermesslicher Reichtum der Natur zur Verfügung, der weithin nicht genutzt wird und darum ohne Beachtung ungenutzt wieder verfällt. 

Herausgefordert durch unsere drei Kirschbäume, deren Früchte wir beim besten Willen, selbst unter Beteiligung von Freunden, nicht vollständig verarbeiten konnten, wollten wir es jetzt bei den Zwetschen besser machen. Wir luden mehr Freunde zur gemeinsamen Ernte und dem Teilen ein. Am Samstag folgten drei der Einladung, so dass wir alle fünf Bäume von ihrer süßen Last befreien konnten. Wir genossen frisch gepressten Zwetschensaft, erfreuten die Gaumen mit leckerem Zwetschgen-Tarte mit Sahne und Kaffee im herrlichen Sonnenschein.   

Weil die vorhandenen Einmachgläser weitgehend bereits mit Kirschen befüllt sind, deponierten wir vorab eine Kiste neben dem örtlichen Glascontainer und luden die Receycler ein, ihren Schraubgläsern ein zweites Nutzer-Leben zu schenken. Der Aufruf wurde sehr gut aufgenommen, so dass wir binnen zwei Wochen über 100 nützliche Schraubgläser unterschiedlicher Form und Farbe mit Zwetschen uä. befüllen können. 

In der Ernte-Gemeinschaft sahen wir sehr schnell, dass der Bedarf für Zwetschgenkuchen, Zwetschgenmus und eingelegten Früchten bald gedeckt war. Was tun mit dem großen Rest? Diese weitere Zwetschgenfülle gaben wir in ein Fass, um es nach dem Gären ins „Schnapshäuschen“ zum Brennen zu geben. Dieser Zwetschgenbrand wird uns dann an Weihnachten selbst beleben oder als Geschenk bei anderen Freude und innere Wärme bereiten. 

Nach einem arbeitsintensiven, genussvollen Tag war es ein beglückendes Gefühl, diesen geschenkten Reichtum der Zwetschgenbäume dankbar anzunehmen und für die Familien-Gemeinschaften nutzbar zu machen. Es ist unser Weg den Focus auf die gegebenen Möglichkeiten zu richten, das Vorhandene zu genießen und das Geschenkte mit großer Freude zu konservieren für den Winter.